Zweite Chance für die Lehre


Bild: derwesten.de

Essen. Trotz Insolvenz die Ausbildung abschließen – Agentur für Arbeit bietet Bonus für Unternehmen an.

Die Insolvenz der Handwerksfirma hatte sich angekündigt: ausbleibende Gehälter, miese Stimmung und ständiges Tu­scheln unter den Kollegen. Als Marcel Klinkert aus Stoppenberg die Kündigung ins Haus flatterte, war für ihn endgültig Schluss mit lustig. Als Elektroniker-Lehrling war er zwei Jahre lang für ei­nen Elektrobetrieb in Frohnhausen tätig; von heute auf morgen stand er vor dem Nichts: „Ich war traurig und wusste nicht, was ich in dieser Situation tun sollte“, er­innert sich der 21-Jährige. Ei­nen Mo­nat musste sich der junge Mann gedulden, bis er bei der Heinz Möller GmbH in Altenessen eine neue berufliche Heimat fand – mit Hilfe des sogenannten Ausbildungsbonus der Agentur für Arbeit.„Eine Insolvenz des Betriebes darf für die Auszubildenden nicht das Ende der beruflichen Zukunft bedeuten“, sagt Arbeitsagentur-Chefin Katja Wilken-Klein. Vor dem Hintergrund des verschärften Be­darfs an Fachkräften sei es ein Anliegen, jungen Menschen rasch ei­ne Chance zur Fortführung ih­rer Lehre zu bieten.

Die Agentur fördert das En­gagement von Firmen, die In­solvenz-Azubis übernehmen mit einem Ausbildungsplatzbonus in Höhe von bis zu 6000 Euro. Ursprünglich war er nur für Unternehmen gedacht, die zu­sätzliche Ausbildungsplätze für Altbewerber schaffen.

„Ich hätte ihn sogar ohne Bonus genommen“

Horst Kanoniczak, Inhaber der Heinz Möller GmbH, je­denfalls ist froh über seinen neuen Mitarbeiter: „Ich hätte ihn sogar ohne Bonus genommen, da sich keine geeigneten Bewerber fanden.“ 14 Bewerbungen zur Elektroniker-Lehre be­kam Ka­noniczak; viele lud er ein: „Keiner kam. Ich hatte kaum noch Hoffnung.“

Seit Anfang August dabei, ist Marcel Klinkert heute be­reits fest ins zehn Mann starke Team in­tegriert: „In der vergangenen Woche musste ich mit einem Monteur Funktaster- und Empfänger einer Lüftungsanlage austauschen. Das hat super geklappt. Ich lerne hier ziemlich viel Neues kennen.“ Seine Lehre will er in anderthalb Jahren abschließen. Und falls die Noten in der Be­rufsschule nicht ganz den Er­wartungen seines Chefs entsprechen „zahlen wir für die Nachhilfe“, verspricht Kanoniczak, der anteilmäßig rund 1700 Euro Ausbildungsbonus von der Arbeitsagentur erhält.

Seit 2008 gibt es die Regelung, über die fast 70 Insolvenz-Azubis den Weg zu­rück in den Betrieb fanden. Bis 2013 wurde sie nun verlängert. Infos: s 01801 / 66 44 66.

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