Azubi in Teilzeit


Natascha Kusch macht eine Teilzeitausbildung bei AIDA Foto Ralph Heeger WAZ FotoPool

Dorsten. Natascha Kusch (21) hatte gerade mit dem Fachabi am Berufskolleg angefangen, als sie schwanger wurde. „Das schaffen wir schon“, vereinbarte die ganze Familie. Und sie haben’s geschafft. Kusch hat die Schule beendet, Sohn Phillip wird im April drei und die junge, allein erziehende Mami macht seit ein paar Monaten eine Ausbildung als medizinische Fachangestellte in der Frauenarztpraxis Aida. Die – und das ist der Witz an der Geschichte – in Teilzeit.

Alltag in der Praxis von Chef Dr. Ulrich Rosen: Natascha Kusch begrüßt Sandra Feller, schwanger im sechsten Monat, legt ihr einen CTG-Gürtel um, misst Wehentätigkeit und Herztöne des Ungeborenen. Rosen steht in der Tür, schaut stolz auf seine junge Azubine. „Das klappt super“, sagt er. „Normalerweise lassen wir Auszubildende erst nach sechs Monaten an die teuren Geräte.“

Nach der Schule und mit Kind stand die junge Frau auf der Straße. Deborah Hoppe (Teamleiterin im Jobcenter für junge Arbeitslose) schlug vor, eine Ausbildung in Teilzeit zu machen. Ein Jahr bereitete sich Kusch darauf vor, individuelle Fragen (z.B. Betreuung des Kindes) wurden in der Zeit gelöst. Dass sie bei einem Frauenarzt lernen wollte – darauf hatte sie sich während ihrer Schwangerschaft festgelegt.

Und im letzten Sommer stand sie dann in der Praxis Aida und fragte, ob sie dort eine Ausbildung in Teilzeit absolvieren könnte. Rosen sagte zu.

Bei gleicher Lehrzeit (drei Jahre) arbeitet Kusch nur 30 Stunden in der Woche. Der Anteil an Berufsschule bleibt gleich, verkürzt wird die Zeit im Betrieb. Das funktioniert. „Obwohl wir sehr hohe Anforderungen stellen“, sagt Rosen.

Die Möglichkeit einer Ausbildung in Teilzeit schließt eine Lücke für junge Menschen mit familiären Verpflichtungen. Sei es ein Kind oder die Pflege von Angehörigen. Beides ist nicht mit einer 40-Stunden-Woche zu vereinbaren, weiß Christian Schneider, Leiter der Arbeitsagentur Dorsten. „Teilzeit ist eine wunderbare Chance, berufliche Qualifikationen zu erwerben.“ Darauf wollen er und Deborah Hoppe mit der Geschichte von Natascha Kusch nicht nur junge Leute sondern auch Firmenchefs hinweisen.

Allerdings: Bewerber, die diesen Weg gehen wollen, müssen schon einiges mitbringen, sagt Schneider, müssen motiviert und diszipliniert sein, Familien- und Berufspflichten gleichermaßen zu erfüllen. Laufende Teilzeitausbildungen in Dorsten, sagt Hoppe, „kann man an einer Hand abzählen.“

Dr. Ulrich Rosen jedenfalls ist begeistert von dem Modell. „Das zeigt wieder einmal: Wenn einer in Deutschland etwas wirklich will, dann kann er hier alles erreichen. Vielleicht noch studieren und Ärztin werden. Und dann steigst Du als Kollegin bei uns mit ein“, schmunzelt er in Richtung Natascha Kusch. Die wehrt lachend ab: „Nach 13 Jahren Schule möchte ich erstmal arbeiten . . .“

 

Quelle: http://www.derwesten.de

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